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Blog · E-Rechnung · Europa

E-Rechnung in Europa: Einheitlich ist anders.

Die EU hat einen europäischen Standard für elektronische Rechnungen geschaffen. Wer daraus schließt, dass künftig überall dieselbe Datei verschickt wird, erlebt allerdings eine Überraschung: gemeinsame Datenbasis ja – ein einziges europäisches Rechnungsformat nein.

Illustration zur E-Rechnung in Europa mit digitaler Rechnung, Europa-Karte sowie Hinweisen auf UBL, CII, Factur-X und Peppol
Aufmacherbild zum Beitrag: Europa setzt auf gemeinsame Rechnungsdaten – bei Formaten, Profilen und Plattformen bleibt es trotzdem spannend.
EN 16931

Europa vereinheitlicht die Bedeutung – nicht die Datei.

Mit EN 16931 gibt es ein gemeinsames semantisches Datenmodell. Vereinfacht gesagt beschreibt die Norm, welche Rechnungsinformationen es gibt, was sie bedeuten und wie sie miteinander zusammenhängen.

Für die technische Abbildung spielen vor allem zwei Syntaxfamilien eine zentrale Rolle: UBL 2.1 und UN/CEFACT CII. Darauf setzen wiederum Profile und nationale Ausprägungen wie XRechnung, ZUGFeRD, Factur-X oder Peppol BIS Billing 3.0 auf.

Damit ist die E-Rechnung in Europa eher mit einer gemeinsamen Sprache vergleichbar als mit einem einzigen Dateiformat. Die Grammatik ist abgestimmt – bei Dialekt, Verpackung, Versandweg und Zusatzregeln entwickeln die Länder weiterhin bemerkenswerte Kreativität.

Das Grundprinzip

Eine Rechnung – mehrere technische Wege

EU-DatenmodellEN 16931
Syntax 1UBL 2.1
Syntax 2UN/CEFACT CII
ProfilePeppol · XRechnung · Factur-X
SonderwegeFatturaPA · KSeF · Facturae …

Dasselbe fachliche Rechnungsmodell kann also in unterschiedlichen technischen Kleidern beim Empfänger ankommen.

EU-27 im Überblick

27 Länder – und welche Grundformate dort relevant sind.

Bewusst vereinfacht auf die technische Grundrichtung. Nationale Pflichtfelder, Kennungen, Routingregeln und Detailvalidierungen lassen wir hier außen vor.

LandStand / RichtungGrundformat bzw. technische Familie
🇦🇹 ÖsterreichB2B überwiegend freiwilligEN 16931; national auch ebInterface
🇧🇪 BelgienB2B-Pflicht seit 01.01.2026Peppol BIS Billing 3.0 / UBL
🇧🇬 Bulgarienkeine allgemeine B2B-PflichtEN 16931, insbesondere UBL/CII im europäischen Umfeld
🇭🇷 KroatienE-Rechnung und Fiscalization werden ausgebautEN-16931-basierte strukturierte XML, UBL-nahe Umsetzung
🇨🇾 ZypernB2G europäisch standardisiert; B2B bislang ohne allgemeine PflichtEN 16931 / Peppol
🇨🇿 TschechienB2B bislang freiwilligEN 16931; daneben nationales ISDOC
🇩🇰 Dänemarksehr weit digitalisiert, besonders B2GOIOUBL und Peppol BIS Billing
🇩🇪 DeutschlandEmpfang seit 2025, Versandpflicht stufenweise bis 2028XRechnung (UBL/CII), ZUGFeRD, Peppol BIS Billing
🇪🇪 Estlandstarke E-RechnungsnutzungEN 16931 / Peppol sowie nationales strukturiertes XML
🇫🇮 FinnlandE-Rechnung seit Jahren verbreitetFinvoice, TEAPPSXML sowie EN 16931 / Peppol
🇫🇷 FrankreichEmpfang ab 01.09.2026; Versand gestaffelt 2026/2027Factur-X (CII), UBL, CII
🇬🇷 GriechenlandmyDATA und E-Invoicing werden weiter ausgebautEN 16931 / Peppol plus nationale myDATA-Meldelogik
🇮🇪 Irlandkeine allgemeine B2B-PflichtEN 16931 / Peppol BIS Billing
🇮🇹 Italienflächendeckende PflichtFatturaPA XML über SdI – klarer nationaler Sonderweg
🇱🇻 LettlandB2B-Rollout Richtung 2028EN 16931 / UBL / Peppol
🇱🇹 LitauenDigitalisierung über SABIS / PeppolPeppol BIS Billing / EN 16931
🇱🇺 LuxemburgB2G etabliert, B2B bislang ohne allgemeine PflichtPeppol BIS Billing 3.0 / UBL
🇲🇹 MaltaB2G nach europäischem StandardEN 16931, Peppol-kompatible strukturierte Formate
🇳🇱 Niederlandekeine allgemeine B2B-Pflicht, hohe Peppol-NutzungPeppol BIS Billing / UBL
🇵🇱 PolenKSeF-Pflicht seit 2026 stufenweiseKSeF / FA(3); im B2G-Umfeld zusätzlich Peppol
🇵🇹 Portugalkeine allgemeine B2B-PflichtCIUS-PT auf UBL bzw. CII
🇷🇴 RumänienB2B seit 2024 verpflichtendRO_CIUS / UBL über RO e-Factura
🇸🇪 SchwedenB2G stark standardisiert; B2B ohne allgemeine PflichtPeppol BIS Billing / UBL
🇸🇰 SlowakeiB2B-E-Invoicing in VorbereitungEN 16931 / Peppol BIS Billing
🇸🇮 Slowenienstrukturierte B2B-E-Rechnung weiter im Ausbaue-SLOG sowie EN 16931 über UBL/CII
🇪🇸 SpanienB2G etabliert; B2B-Rollout gesetzlich vorbereitetFacturae XML; künftige B2B-Ausgestaltung weiter im Blick behalten
🇭🇺 Ungarnstarkes elektronisches Steuerreporting, aber kein einziges verpflichtendes B2B-RechnungsformatNAV Online Invoice XML für Meldedaten; Rechnungsformat selbst nicht identisch mit dem Reportingformat
Was ist nun wirklich einheitlich?

Weniger als der Begriff zunächst verspricht – aber mehr als gar nichts.

Für ERP-Entwickler ist der gemeinsame Kern durchaus wertvoll. Wer Rechnungsdaten intern sauber strukturiert und UBL sowie CII beherrscht, hat einen großen Teil der europäischen technischen Basis bereits abgedeckt.

CII

ZUGFeRD & Factur-X

Deutschland und Frankreich zeigen sehr schön, wie dieselbe technische CII-Familie in unterschiedliche nationale Profile eingebettet wird.

UBL

Peppol BIS Billing 3.0

Peppol und UBL bilden in vielen Mitgliedstaaten die wichtigste gemeinsame Schiene für interoperable E-Rechnungen.

Sonderweg

Italien, Polen & Co.

FatturaPA oder KSeF zeigen, dass nationale Plattformen und XML-Schemata trotz europäischer Harmonisierung weiterhin eine große Rolle spielen.

ViDA & die nächsten Jahre

Die Richtung ist europäisch. Der Weg dorthin bleibt national.

Mit „VAT in the Digital Age“ (ViDA) treibt die EU die elektronische Rechnung und digitale Meldesysteme weiter voran. Für innergemeinschaftliche B2B-Umsätze sollen ab 2030 strukturierte elektronische Rechnungen und digitale Meldungen eine zentrale Rolle spielen.

Das erhöht den Druck zur Interoperabilität. Es bedeutet aber nicht, dass über Nacht FatturaPA, KSeF, Facturae, e-SLOG, OIOUBL oder andere etablierte Systeme verschwinden.

Für Softwarehäuser ist deshalb die vernünftige Strategie nicht, für jedes Land eine komplett neue Rechnungslogik zu erfinden. Sinnvoller ist ein gemeinsames Rechnungsdatenmodell mit mehreren Ausgabeformaten und landesspezifischen Profilen.

Venalis

Das ist längst mehr als „nur ZUGFeRD“.

Venalis unterstützt mit XRechnung, ZUGFeRD, Factur-X und Peppol BIS Billing 3.0 bereits die wichtigsten europäischen Grundrichtungen auf Basis von UBL und CII.

Für echte nationale Sonderformate wie FatturaPA oder KSeF sind eigene Ausgabemodule erforderlich. Die zentrale Rechnungslogik muss deshalb aber nicht neu erfunden werden.

Fazit

Die Rechnung ist korrekt – und der Kunde kann sie trotzdem nicht lesen.

Für Unternehmer wird die eigentliche Frage künftig nicht mehr nur lauten: „Kann meine Software E-Rechnungen?“

Sondern immer öfter: „Kann mein Kunde genau diese E-Rechnung auch verarbeiten?“

Denn eine Rechnung kann fachlich sauber aufgebaut sein, auf der europäischen Norm EN 16931 basieren und trotzdem beim ausländischen Geschäftspartner scheitern, weil dessen System ein anderes Profil, einen anderen Übertragungsweg oder gleich ein nationales Format erwartet.

Besonders charmant wird das im grenzüberschreitenden Geschäft: Der Lieferant erzeugt eine wunderbare strukturierte E-Rechnung, der Empfänger hätte sie aber gern in einer anderen strukturierten E-Rechnung. Aus der europäischen Vereinfachung wird dann kurzerhand wieder ein kleines Integrationsprojekt.

Für Unternehmen wird die Formatfrage deshalb künftig zu einem normalen Bestandteil der Kundenstammdaten werden: Welches E-Rechnungsformat kann und erwartet dieser Kunde?

ERP-Systeme müssen darauf reagieren und mehrere Formate aus denselben Rechnungsdaten erzeugen können. Genau diesen Ansatz verfolgt Venalis.